KFH-Chronik  


Die Geschichte der Krefelder Familienhilfe

Die "Krefelder Familienhilfe" ist ein Sozialwerk das seit seiner Gründung im Jahr 1945 in Krefeld wichtige Aufgaben übernommen hat, eine beständige Welle bürgerschaftlicher Solidarität auslöste und durch eine Reihe von Pionierleistungen Vorbild für Initiativen in vielen anderen Städten der Bundesrepublik wurde. Im Verlauf von nun bald 60 Jahren hat die Vereinigung sich immer wieder der veränderten sozialen Landschaft angepaßt.Als die alliierten Truppen im März 1945 in Krefeld einmarschierten, lagen große Teile der Stadt in Trümmern. Viele Krefelder hatten ihr Haus oder ihre Wohnung und oft auch ihr ganzes Hab und Gut verloren und lebten in Notunterkünften, Gartenlauben und Kellern. Zudem drängten Mitbürger aus den Evakuierungsgebieten und Kriegsgefangene zurück in ihre Heimatstadt. Und bald kamen auch die ersten Flüchtlinge aus dem Osten Deutschlands, denen im Verlauf von zwei Jahrzehnten fast 50 000 Menschen folgen sollten.

Gründung noch vor Kriegsende: Noch vor Ende des Krieges gründete Bürgermeister Dr. Stepkes in Zusammenarbeit mit der alliierten Besatzung die "Krefelder Familienhilfe". Der Verein sollte die Aufgaben übernehmen, die das völlig aufgelöste Wohlfahrtsamt der Stadt und eine total verarmte Stadtkasse nicht leisten konnten, zumal an Gründung und ordnungsgemäßen Betrieb eines Sozialamtes auf längere Sicht nicht zu denken war. In dem ehemaligen, von den Nazis abgesetzten Krefelder Oberbürgermeister Dr. Johannes Johansen fand Stepkes den richtigen Vorsitzenden. Johansen warb und fand im Kreis der Krefelder Bürger zahlreiche Helfer und Sammler. Bereits am 1. Mai 1945 fand eine erste Haustüren- und Straßensammlung statt, die das(angesichts der allgemeinen Not) erstaunliche Ergebnis von 63 000 Reichsmark erbrachte. Bis zur Währungsreform spendeten die Krefelder mehr als zwei Millionen Reichsmark. Nach derWährungsreform brachten die Krefelder zunächst noch jährlich 200.000 Mark auf, einr erstaunliche Summe angesichts des damaligen Wertes des neuen Geldes, auch angesichts der Tatsache, daß viele Bürger ihr gesamtes Vermögen verloren hatten. Außerdem zogen Sammler mit Handwagen von Haus zu Haus und erbaten Kleidung, Nahrungsmittel und jede Art on Hausrat für die ausgebombten Krefelder und zugewanderten Flüchtlinge. Die Krefelder Familienhilfe wurde sozusagen aus dem Stand zu einer Drehscheibe der Hilfsgüter, die tonnenweise gespendet, aufgearbeitet und weitergegeben wurden. Nach und nach gingen die Aufgaben der unmittelbaren Lebensvorsorge aus der Krefelder Familienhilfe wieder in die Zuständigkeit der Stadtverwaltung und des neu eingerichteten Sozialamtes über.Gleichwohl ist die Soforthilfe in akuten Notlagen bis heute eine der zentralen Aufgaben der Krefelder Familienhilfe geblieben. In den letzten Jahren klopfen immer mehr Hilfesuchende Menschen aller Generationen an die Tür der Geschäftsstelle am Westwall.

Haus am Berg Am 11. Mai 1955 konnte die Krefelder Familienhilfe das erste Altenerholungsheim der Bundesrepublik eröffnen. Man wollte bedürftigen alten Mitbürgern, vor allem den verarmten und einsamen Kriegerwitwen, einige unbeschwerte Ferienwochen in der schönen Umgebung des Hülser Berges ermöglichen. Bedeutende Spenden aus der Bürgerschaft, ein kräftiger Zuschuß aus der damals sehr populären Funklotterie, der Verzicht des Finanzamtes auf Grunderwerbssteuer, Hand- und Spanndienste von Krefelder Handwerkern und Lehrlingen hatten Grundstückskauf, Hausbau und Einrichtung möglich gemacht. " Das Haus hat im Laufe der Jahre mehr als 10.000 dankbare Gäste gesehen. Nach und nach wurden Zuschüsse gestrichen, die von verschiedenen öffentlichen Händen bis dato für die Altenerholungs-Maßnahmen gegeben wurden. Mehrere Jahre lang deckte die Krefelder Familienhilfe ein Defizit von rund 50.000 Euro im Jahr aus ihren Rücklagen. Das war nicht länger möglich. Das Haus am Berg wurde 2004 umgebaut und an den Verein Lebenshilfe Krefeld e.V. übergeben. Jetzt werden dort zwölf geistig behinderte Kinder und Jugendliche betreut, deren Eltern glücklich sind, ihre Kinder in einer solch schönen Umgebung untergebracht zu sehen. Haus am Berg bleibt im Besitz der Krefelder Familienhilfe. Aus der einkommenden Miete werden zunächst die Kosten für den Umbau gedeckt. Dann wird sich die Krefelder Familienhilfe einer neuen sozialen Aufgabe zuwenden.

Altenklub "Bürgertreff" Die Einsamkeit vieler alter Menschen in der Stadt blieb ein Thema für den Vorstand der Krefelder Familienhilfe. Der Verein eröffnete am 24. November 1959 an der Dreikönigenstrasse den ersten Altenklub in Krefeld und in Deutschland. Auch an dieser Gründung wirkten wieder viele spendefreudige Krefelder mit. Das Wirtschaftswachstum versetzte die Stadt in die Lage, mit Zuschüssen bei Einrichtung und Betrieb des Altenklubs zu helfen. Aus der ganzen Bundesrepublik und dem benachbarten Ausland reisten zahlreiche Besuchergruppen an, um sich zu informieren und dann in der eigenen Stadt nach dem Krefelder Muster einen Altenklub zu gründen. Erste Leiterin war Martha Beckers. 1960 übernahm Maria Thomas für 35 erfolgreiche Jahre die Leitung. Seit 1995 begrüßt Lieselotte Angerhausen die Gäste im "Bürgertreff", wie der Altenklub seit seinem Umzug in die Seidengalerie am Ostwall heißt, der alljährlich von rund 5000 Gästen besucht wird. Die Solidarität und Spendefreudigkeit der Krefelder hat die Krefelder Familienhilfe durch fast sechs Jahrzehnte begleitet und ist heute besonders wertvoll, da die Zuschüsse aus öffentlichen Händen deutlich vermindert wurden.